Auf der Packung der Kopfhörer liest du „wasserdicht“, in der Werbung in den sozialen Medien heißt es „schweißresistent“ und dann taucht in den technischen Daten noch eine Angabe wie IP55 auf.
Das klingt zunächst ähnlich. Wenn du aber Kopfhörer suchst, die gegen Feuchtigkeit geschützt sein sollen, lohnt sich ein genauer Blick: Ein Modell für Schweiß und Regenschauer muss andere Anforderungen erfüllen als Kopfhörer, die du tatsächlich beim Schwimmen tragen möchtest.
In diesem Artikel erklären wir, was die wichtigsten IP-Schutzklassen bei Kopfhörern bedeuten, worin sich IP55, IP57 und IP68 unterscheiden und welcher Schutz zu Sport, Alltag oder Schwimmen passt.
Wasserfest, wasserdicht – und warum die IP-Schutzklasse zählt
Begriffe wie „wasserfest“ oder „wasserdicht“ können verwirrend sein. Wasserfest wird häufig verwendet, wenn ein Kopfhörer gegen Schweiß, Wasserspritzer oder leichten Regen geschützt ist. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass du ihn unter Wasser tragen kannst.
Auch „wasserdicht“ ist für sich genommen noch kein technischer Prüfstandard. Entscheidend ist deshalb die konkrete IP-Schutzklasse sowie die Herstellerangabe dazu, für welchen Einsatz das Produkt vorgesehen ist.
IP steht für Ingress Protection – also den Schutz gegen das Eindringen von Staub und Wasser. Bei einer zweistelligen Kennzeichnung geben die beiden Ziffern unterschiedliche Informationen:
- Die erste Ziffer beschreibt den Schutz gegen feste Fremdkörper beziehungsweise Staub.
- Die zweite Ziffer beschreibt den Schutz gegen Wasser.
Anhand dieser Kennzeichnung kannst du nachvollziehen, unter welchen standardisierten Bedingungen ein Produkt geprüft wurde.
Wichtig: Die Tests finden unter definierten Laborbedingungen statt. Im Alltag können unter anderem Art des Wassers, Druck, Dauer, Verschleiß und der Zustand des Geräts eine Rolle spielen. Die IP-Schutzklasse ist deshalb eine wichtige Orientierung, ersetzt aber nicht die Nutzungshinweise des Herstellers.
So funktionieren IP-Schutzklassen: Worauf du achten solltest
Für Kopfhörer und ihren Schutz gegen Wasser ist vor allem die zweite Ziffer entscheidend:
- 4: Schutz gegen Spritzwasser aus verschiedenen Richtungen.
- 5: Schutz gegen Wasserstrahlen – relevant für Regen und intensives Training.
- 7: Schutz bei zeitweiligem Untertauchen – typischerweise bis etwa 1 Meter für maximal 30 Minuten unter den entsprechenden Prüfbedingungen.
- 8: Schutz bei längerem oder tieferem Untertauchen; die konkreten Bedingungen legt der Hersteller fest.
Die erste Ziffer bezieht sich auf den Staubschutz. Eine 5 bedeutet, dass Staub begrenzt eindringen darf, solange die Funktion nicht beeinträchtigt wird. Eine 6 steht für ein staubdichtes Gehäuse.
Außerdem gilt die Schutzklasse häufig nur für die Ohrhörer selbst. Das Ladeetui kann eine niedrigere Schutzklasse besitzen oder gar keinen entsprechenden Wasserschutz bieten.
Je nach Nutzungsszenario sind unterschiedliche Eigenschaften relevant:
- Schweiß und Fitnessstudio: Mindestens Spritzwasserschutz ist sinnvoll; Schutz gegen Wasserstrahlen bietet zusätzliche Reserve.
- Regen und Outdoor: Hier ist insbesondere der Schutz gegen Wasser beziehungsweise Wasserstrahlen relevant.
- Versehentliches Untertauchen: Dafür ist ein Schutz nach Stufe 7 relevant.
-
Schwimmen: Verlass dich nicht allein auf die IP-Zahl. Das Modell sollte ausdrücklich für das Schwimmen vorgesehen sein und idealerweise über internen Speicher verfügen, da Bluetooth unter Wasser nicht zuverlässig funktioniert.
IP55, IP57 und IP68 im Vergleich: OpenFit Pro, OpenDots 2 und OpenSwim Pro
Die drei Modelle decken unterschiedliche Schutzklassen und Einsatzbereiche ab. Entscheidend ist nicht, welches Modell die höchste Zahl trägt, sondern welcher Schutz zu deiner Nutzung passt.
Vergleichstabelle IP55, IP57 und IP68
| Modell | Schutzklasse | Schutzumfang | Geeignet für | Nicht geeignet für |
|---|---|---|---|---|
| OpenFit Pro | IP55 | Begrenzter Staubschutz + Schutz gegen Wasserstrahlen aus allen Richtungen | Schweiß, Regenschauer, Laufen, Laufband, Pendeln im ÖPNV | Schwimmen, Tauchen |
| OpenDots 2 |
IP57 Etui: IP54 |
Begrenzter Staubschutz + Schutz bei zeitweiligem Untertauchen | Alltagsnässe, kleinere Missgeschicke, Nieselregen, Schweiß | Längerer Wasserkontakt, Schwimmen, Laden im nassen Zustand |
| OpenSwim Pro | IP68 | Staubdicht + längeres Untertauchen bis 2 m und bis zu 2 Std. im Süßwasser | Schwimmen, Wassersport, Salzwasser mit anschließendem Süßwasser-Spülen | Heißes Duschen, Sauna |
IP55: OpenFit Pro – Schweiß, Training und Regenschauer
IP55 bedeutet begrenzten Staubschutz sowie Schutz gegen Wasserstrahlen aus verschiedenen Richtungen. Das sind typische Belastungen beim Sport : Schweiß, Spritzwasser oder ein Regenschauer.
Beim OpenFit Pro handelt es sich um Open-Ear-Kopfhörer mit Ohrbügel. Durch die Schutzklasse IP55 ist das Modell für typische Feuchtigkeit beim Sport ausgelegt – nicht jedoch für Schwimmen oder Tauchen.
Damit eignet sich der OpenFit Pro beispielsweise für Laufen, einen Trail im Regen, das Laufband im Fitnessstudio und den Alltag – etwa beim Pendeln zur Arbeit .
IP57: OpenDots 2 – Alltagsnässe und kurzes Untertauchen
IP57 kombiniert denselben Staubschutz der Stufe 5 mit Schutz bei zeitweiligem Untertauchen. Bei den OpenDots 2 besitzen die Ohrhörer IP57, während das Ladeetui mit IP54 geschützt ist.
Der Unterschied gegenüber IP55 zeigt sich insbesondere beim versehentlichen Untertauchen. Fällt ein Hörer kurz in ein Waschbecken oder eine Pfütze, ist diese Art der Abdichtung relevant.
Wichtig bleibt dabei: Das folgt aus der jeweiligen Prüfung und Herstellerangabe – nicht daraus, dass die 7 die 5 automatisch einschließt.
Die OpenDots 2 sind damit für Alltagsnässe, Schweiß, Nieselregen und kleinere Missgeschicke ausgelegt, aber nicht für längeren Wasserkontakt oder Schwimmen. Vor dem Laden sollten Ohrhörer und Etui vollständig trocken sein.
IP68: OpenSwim Pro – fürs Wasser gebaut
Bei IP68 bewegen wir uns in einem anderen Einsatzbereich. Beim OpenSwim Pro bedeutet die Herstellerangabe konkret, dass das Modell bis zu 2 Meter tief und bis zu 2 Stunden im Süßwasser verwendet werden kann.
Auch Salzwasser ist möglich. Nach der Nutzung sollte der Kopfhörer jedoch mit Süßwasser abgespült werden.
Beim Schwimmen muss ein Kopfhörer andere Belastungen aushalten als beim Sport im Regen: längeren Wasserkontakt, Bewegung und den Druck des Wassers.
Der OpenSwim Pro ist deshalb speziell für das Schwimmen ausgelegt und verfügt zusätzlich über 32 GB internen Speicher. Das ist unter Wasser besonders relevant, weil Wasser die Bluetooth-Verbindung stark beeinträchtigt.
Im Trockenen kannst du Bluetooth verwenden; beim Schwimmen wechselst du auf lokal gespeicherte Musik im MP3-Modus.
Hinweis: Heißes Duschen oder ein Saunagang werden mit dem OpenSwim Pro nicht empfohlen, da Hitze und Dampf die Dichtungen belasten können.
Warum Schwimmen mehr Ansprüche an den Kopfhörer stellt als Sport im Regen
Viele entscheiden sich für „wasserfeste“ Kopfhörer und gehen davon aus, dass sie damit auch schwimmen können. Das ist jedoch häufig ein Trugschluss.
Beim Schwimmen befindet sich der Kopfhörer über längere Zeit vollständig im Wasser. Bei Regen wird das Gerät dagegen normalerweise nicht untergetaucht; auch Schweiß erzeugt keinen vergleichbaren Wasserdruck.
Zusätzlich gibt es drei Punkte, die nicht allein durch die IP-Zahl beantwortet werden:
- Musikwiedergabe: Wasser stört das 2,4-GHz-Bluetooth-Signal. Musikstreaming vom Smartphone am Beckenrand funktioniert deshalb unter Wasser nicht zuverlässig. Für Musik beim Schwimmen ist ein interner Speicher wichtig.
- Chlor und Salz: Dichtungen und Kontakte werden durch Pool- oder Salzwasser anders belastet als durch klares Wasser im Labortest. Beim OpenSwim Pro wird nach Nutzung in Salzwasser eine Reinigung mit Süßwasser empfohlen.
- Sitz und Stabilität: Kopfhörer, die beim Training an Land gut halten, müssen nicht automatisch auch bei typischen Schwimmbewegungen stabil sitzen.
Aus diesen Gründen reicht eine hohe IP-Schutzklasse allein nicht. Für das Schwimmen solltest du ein Modell verwenden, das ausdrücklich dafür entwickelt wurde. Bei Shokz ist das der OpenSwim Pro mit IP68.
Fazit: Welches Shokz-Modell passt zu welchem Szenario?
Zum Schluss lässt sich die Auswahl am einfachsten über den tatsächlichen Einsatz treffen:
Workout und Schweiß
OpenFit Pro mit IP55 und OpenDots 2 mit IP57 sind beide für typische Feuchtigkeit im Alltag und beim Sport geeignet. Der OpenFit Pro ist besonders auf sportliche Nutzung mit Ohrbügel ausgelegt; die OpenDots 2 bieten zusätzlich Schutz bei zeitweiligem Untertauchen.
Outdoor und Regen
Hier sind sowohl OpenFit Pro als auch OpenDots 2 geeignet. Beim OpenFit Pro ist insbesondere der Schutz gegen Wasserstrahlen relevant. Fällt ein OpenDots-2-Hörer versehentlich kurz in Wasser, kommt zusätzlich der Schutz bei zeitweiligem Untertauchen ins Spiel.
Schwimmen im Pool oder Freiwasser
Dafür ist der OpenSwim Pro mit IP68 vorgesehen. Zusätzlich ermöglicht der interne 32-GB-Speicher die Musikwiedergabe auch dann, wenn Bluetooth unter Wasser nicht zuverlässig funktioniert.
Tipp: Auch bei einer hohen Schutzklasse solltest du deine Kopfhörer nach starkem Wasserkontakt trocknen lassen, Kontakte sauber halten und das Gerät nicht im nassen Zustand laden.
Häufige Fragen zu wasserdichten Kopfhörern und IP-Schutzklassen
Was ist der Unterschied zwischen wasserdicht und wasserfest?
„Wasserfest“ wird häufig für Schutz gegen Schweiß, Spritzwasser und Regen verwendet. „Wasserdicht“ klingt nach einem stärkeren Schutz, ist allein aber kein technischer Prüfstandard. Entscheidend sind die konkrete IP-Schutzklasse und die Nutzungshinweise des Herstellers.
Was bedeutet IP55?
IP55 steht für begrenzten Staubschutz und Schutz gegen Wasserstrahlen. Diese Schutzklasse eignet sich gut für Sport, Schweiß und Regen, bedeutet aber nicht, dass ein Kopfhörer zum Schwimmen oder Tauchen geeignet ist.
Was bedeutet IP57?
IP57 kombiniert begrenzten Staubschutz mit Schutz bei zeitweiligem Untertauchen. Bei den OpenDots 2 gilt IP57 für die Ohrhörer. Das ist hilfreich bei Alltagsnässe und versehentlichem kurzem Eintauchen, bedeutet aber nicht, dass die Kopfhörer zum Schwimmen gedacht sind.
Was bedeutet IP68?
IP68 steht für vollständigen Staubschutz und Schutz bei längerem Untertauchen unter den vom Hersteller festgelegten Bedingungen. Beim Shokz OpenSwim Pro bedeutet das eine Nutzung bis zu 2 Meter Wassertiefe für maximal 2 Stunden im Süßwasser.



